June16

june 16 – der Name dieser Kollektion von Fotografien fiel mir an meinem Geburtstag ein. Hier zeige ich Bilder, die für mich aus verschiedenen Gründen eine große Bedeutung haben. Einer ist: ich halte sie alle für sehr gute Fotografie. Ein anderer: Die allermeisten haben eine besondere Geschichte haben.
Zwei Wochen wohnte ich zum Beispiel bei Sergej in einem Moskauer Wohnblock, gewissermaßen undercover, denn 1990 war es für Ausländer immer noch streng verboten, sich ohne eine offizielle Einladung in der Sowjetunion aufzuhalten.
Eines Morgens fotografierte ich die Szene unten, die die damalige Lage der einfachen Menschen in Moskau auf den Punkt brachte: Eine alte Frau wartet auf Kunden für ein paar Bündel selbst gezogenes Gemüse und vertreibt sich die Wartezeit auf Kunden mit Stricken.

Moskau 1990. Ein kalter regnerischer Morgen in einer der vielen Vorstädte der russischen Hauptstadt mit zehnstöckigen gesichtslosen Hochhäusern. An einem Laternenmast hat sich eine alte Frau postiert, die Gemüse aus ihrem Garten anbietet. Während sie auf Kunden wartet, verbreibt sie sich die Zeit mit Stricken.  Ein junger Mann in einem alten Lastwagen betrachtet die Szene und den Fotografen. Glasnost und Perestroika haben zwar den Fall der Mauer begünstigt und auch in Russland Prozesse in Gang gesetzt, der Alltag der Menschen in Moskau ist aber nach wie vor vor allem vom Kampf um Eigenständigkeit und die Dinge des täglichen Bedarfs bestimmt.| Moscow 1990: Glasnost und Perestroika have supported the fall of the Berlin wall and also started change in Russia, but the everyday life of normal people  ist determined by the quest for a little private income and hunting for the daily neccessities. In a neighborhood with large housing blocks an old woman stands knitting while offering a little vegetables out of her own garden for sale. A young man in an old truck is watching the szene and the photographer. (ACHIM WERNER) (ACHIM WERNER)

Sergej war Holzschnitzer. In einem Zimmer seiner kleinen Wohnung stapelten sich zentnerweise riesige Holzscheite, die bereits eine kräftige Delle in den Boden gedrückt hatten. Man „organisierte“ die notwendigen Dinge, wenn sie gerade mal vorhanden waren und dann auf Vorrat. Wer wusste schon, wann es diese Sachen das nächste Mal gab.
In der U-Bahn stellten alle die Antennen auf Empfang, denn die Fahrten waren eine unersetzbare Informationsquelle darüber, wo es
in der riesigen Stadt an diesem Tag billig Babywindeln, Waschmittel oder tolle Jeans gab.
Den täglichen Überlebenskampf im kommunistischen System, die Behördenwillkür, aber auch die Absurditäten bekam ich hautnah mit. Sergejs Mutter zum Beispiel arbeitete als Putzfrau im Kreml. Darum gab es zum Abendbrot manchmal Kaviar …

Ich plane hier einen Shop für die june16-Bilder, so dass Fans meiner Fotografie die Bilder hier in von Ihnen gewünschten Format und Oberfläche bestellen und sogar per PayPal bezahlen können. Das wird noch etwas dauern. Bis dahin bitte ich einfach um Kontaktaufnahme, wenn Interesse an einem bestimmten Foto besteht.

Die Bilder sind hier am besten zu sehen

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